Vortrag: „Sonderbestattungen vs. ‚Gefährliche Tote‘, Vampire, Zombies“

Joachim Schleifring vor interessierten Zuhörern

Seit Menschen ihre Toten rituell beerdigen findet man vereinzelt immer wieder Gräber, die von der üblichen Art und Weise der Beisetzung abweichen. In einem öffentlichen Vortrag berichtete Dipl.-Biologe Joachim Schleifring am 25. Mai 2018 auf Einladung des Vereins für regionale Vorgeschichte im Oberquembacher Haus der Vorgeschichte über seine langjährigen Arbeiten zu diesen Sonderbestattungen. Dabei richtete er das Augenmerk vor allem auf „Gefährliche Tote“.

Der Anthropologe, der bereits mit seinem Vortrag zu den Gebeinen Karls des Großen auf großes Zuschauerinteresse stieß, schilderte besondere Bestattungsumstände, die Erkenntnisse aus der Volkskunde über die Motivation zu solchen Sonderbestattungen und interpretierte die Forschungsergebnisse als Ausdruck der Furcht vor sogenannten „Gefährlichen Toten“. Sie wurden im Volksglauben verdächtigt, als Wiedergänger, Nachzehrer, lebende Tote oder Vampire den Lebenden aus dem Grab heraus Schaden zuzufügen, Krankheiten zu verbreiten und Krisenzeiten zu begleiten.

Bereits im Rahmen seiner Diplomarbeit über spätrömische Gräber aus Groß-Gerau hatte Herr Schleifring erstmals aus eigener Anschauung über solche sonderbaren Bestattungen berichtet, denn dort sind drei Bauchlagebestattungen bekannt. In Zusammenarbeit mit einem Augsburger Kollegen, der ebenfalls eine solche Bestattung ausgegraben hatte, sprach er damalsin einem Vortrag bei einer Fachtagung über diese Auffälligkeiten. Beide stießen bei den Kollegen jedoch auf Ablehnung. Heutzutage ist die Annahme, es handele sich um Bestattungen sogenannter „Gefährlicher Toter“ aber unstrittig.

Wiedergänger wurden zumeist in Bauchlage bestattet – Nachzehrer hinderte man daran, auf ihrem Totenhemd zu kauen – lebende Tote wurden endgültig unschädlich gemacht – und Vampire wurden zumeist geköpft und ihr Herz herausgeschnitten oder sie wurden gepfählt

Nicht zuletzt durch viele Presseberichte über angebliche Gräber von Vampiren aus Polen, Bulgarien oder Italien wurde das Thema einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Heute geht man davon aus, dass man „Wiedergänger“ auf den Bauch legte, damit sie sich im Versuch, sich aus dem Grab herauszuwühlen nur immer tiefer eingruben. Außerdem verhinderte man die Wirkung ihres „bösen Blicks“, indem man ihr Gesicht zu Boden drückte. Starb ein Mensch an einer –damals unbekannten- Krankheit und steckte die ihn Versorgenden und Pflegenden an, so dass sie auch erkrankten und verstarben, öffnete man sein Grab, um ihm einen Stein, einen Knochen etc. auf die Brust zu legen, oder ihm einen Stein in den Mund zu treiben. So wurde der sog. „Nachzehrer“ gehindert, sein Toten-hemd zu kauen. Solange er dies konnte, ging tödliche Gefahr von ihm aus. Wurden Menschen krank, siechten dahin und verstarben, hielt man dies für das Werk von „Vampiren“. Diese wurden verdächtigt aus ihrem Grab her-aus die Lebenden heimzusuchen und ihr Leben auszusaugen. Deshalb öffnete man ihr Grab, enthauptete den Vampir oder trieb einen Pfahl durch seinen Körper, manchmal schnitt man auch das Herz heraus.

Seit der Altsteinzeit sind ungewöhnliche Bestattungen bekannt. So wurde in Dolni Vestonice (Tschechische Republik) vor ca. 30.000 Jahren ein junger Mann auf dem Bauch liegend zu zwei weiteren Verstorbenen ins Grab gelegt. Zusätzlich hatte man ihm noch den Schädel eingeschlagen. Dies ist bisher der älteste bekannte Fall.

Zum Abschluss seines Vortrags berichtet Joachim Schleifring über das Grab eines Mannes aus Karben-Burg-Gräfenrode im Wetteraukreis. Im 17. Jahrhundert wurde ihm bei seiner Beerdigung ein Ziegelstein auf die Brust gelegt. Möglicherweise starb er aber an den Folgen einer Pestinfektion. Er könnte wegen seiner Linkshändigkeit seine Mitmenschen misstrauisch gemacht haben, so dass sie ihn sicherheitshalber daran hindern wollten zum Nachzehrer zu werden.

Im Zeitalter der Aufklärung verschwand die Sitte derartiger Sonderbestattungen allmählich, es soll aber sogar heute noch Bestattungen in Bauchlage geben, so Schleifring.

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